"Der erste Hovestädt"

Fast fünf Stunden dauert der Wettbewerb der Junggesellenschützen / Chris Hovestädt: holt den Titel
Von Sabine Hecker

König Chris Hovestädt (Mitte) kann sein Glück kaum fassen. Erste Gratulanten sind die Mitbewerber. Rechts im Bild ist Schießmeister Thomas Tekampe, der das Gewehr gestern 615 Mal laden musste.
RHEDE. Der Schuss kracht, der Vogel wackelt - aber er bleibt oben. Nix zu machen. Wirklich nix? Tim Hovestädt legt an, trifft das Holz - und schüttelt den Kopf, als wieder nichts passiert.
„Explosivmunition, bitte", ruft jemand von hinten. Das Blasorchester spielt Udo Jürgens Hit „Ich war noch niemals in New York", dann das „Junggesellenlied". Ein paar Schützen singen mit.
Zwischendurch fällt ein Schuss. Die Zuschauer blicken inzwischen gespannt auf die Vogelstange. Drei Uhr ist längst vorbei. Seit fast fünf Stunden legen die Junggesellenschützen auf den Vogel an. Noch ein Schuss. Der Vogel wackelt, bleibt aber oben. Dann ist wieder Chris Hovestädt an der Reihe. Der 19-Jährige bekreuzigt sich, so wie schon viele Male zuvor. Legt an, zielt lange, schießt. Holz splittert, der restliche Holzklotz oben an der Vogelstange zerplatzt in mehrere Teile -und fällt. Endlich. Chris Hovestädt reißt die Arme hoch und jubelt. Er lässt sich von seinen drei Mitbewerbern umarmen und reißt sich wenig später den Hut vom Kopf.

Sein Cousin Tim - Präsident der Junggesellenschützen - und die Vorstandskollegen Jan Telaar und Michael Niehaus sind sichtlich enttäuscht. Auch sie wären gerne Könige geworden. Doch am Ende hatte Chris das nötige Quäntchen Glück.
„Er wollte es unbedingt", sagen Vater und Mutter Hovestädt, die das Vogelschießen von der Absperrung aus verfolgen.
Seit Wochen habe der Sohn davon geredet. Der ist sichtlich ehrgeizig bei der Sache, konzentriert sich lange auf jeden Schuss und schimpft mit sich selbst, wenn der Vogel oben bleibt.
Vater Heinz war früher auch bei den Junggesellen und hatte zweimal erfolglos versucht, König zu werden.
Jetzt jubelt der Sohn: „Der erste Hovestädt." Zur Königin wählt Chris Hovestädt, der in der Ausbildung zum Zerspanungsmechaniker ist, Lina Rademacher. Seine Schwester Mona wird zusammen mit Kerstin Steggemann Throndame. Maik Görkes macht den Zeremonienmeister.

Mit dem Vogelschießen gestern in den Winkelhauser Bergen ging die Regentschaft von „Regenkönig Otti" zu Ende. Sebastian Ott, genannt „Otti", hatte vergangenes Jahr begleitet von vielen Schauern den Titel geholt, „Der Regenkönig Otti wird leider heute verabschiedet", sagte Dominik Dalhaus, Schriftführer der Schützen gestern am Rande des Vogelschießens. „Er kann sein Wetter mitnehmen." Und das schien auch fast so.
Trotz der vielen Regenschauer am Kirmeswochenende hatten die Junggesellen entschieden, in den Winkelhauser Bergen zu schießen. Und dort blieb es trocken. „Je mehr vom Vogel fällt, desto besser wird das Wetter", scherzte Dalhaus.

Die Preisträger

Treffsicher zeigten sich gestern die Sieger beim Preisschießen: Thomas Biernath schoss den Apfel. Das Zepter holte Jan Telaar und Hendrik Wilting schoss den Flügel ab.

(BBV Bericht und Foto von Sabine Hecker in der Ausgabe vom 30.August 2011 Ressort Rhede)