Die Geschichte des St. Jakobi Bürgerschützenvereines Rhede

Zeit von 1552 - 1862
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Unter den zahllosen Vereinsfeiern, die das Sommerhalbjahr mit sich bringt, nehmen die Schützenfeste einen besonderen Rang ein. Sie sind auch heute noch - zumindest auf dem Lande - im besten Sinne Volksfeste; denn an ihnen nimmt oftmals die gesamte Bevölkerung teil. Diese Feste, die bereits von unseren Vorfahren in gleicher oder ähnlicher Weise gefeiert wur-den, müssen doch tief im Volke wurzeln, und man kann es durchaus verstehen, wenn ein alter Verein mit Stolz sein 200. oder gar 300. Stiftungsfest ankündigt. Diese großen Zahlen, die der Vorstand entweder in gutem Glauben auf sein Programm druckt oder auch wohl nur hin-schreibt, um in den eigenen Reihen eine größere Feststimmung zu erzeugen, sind meistens unrichtig; denn in unserer Gegend dürfte wohl kaum ein Schützenverein in der Lage sein, sein genaues Gründungsdatum anzugeben. Die "Entdecker" der angeblichen Gründungsjahre wissen gar nicht, dass ihr Verein viel älter ist, als sie es selbst für möglich halten. Vielleicht hat er schon ein halbes Jahrtausend erlebt. So werden beispielsweise die Adrians-, Sebastians-, Georgius- und Antoniusschützen bereits zwischen 1400 und 1500 in den Akten der Stadt Bocholt erwähnt.

Ebenso alt dürften auch viele Schützengesellschaften auf dem Lande sein. Das 14. und 15. Jahrhundert war eine recht unruhige Zeit; eine Fehde folgte der anderen, und gerade unser westliches Münsterland mit seinen zahlreichen, mehr oder weniger großen Herrschaften war eine sehr unsichere Gegend. So schlossen sich denn in den Städten die Bürger und auf dem Lande die Bauern zusammen. Sie übten sich im Waffengebrauch und halfen sich gegenseitig, wenn Räuberbanden und anderes Gesindel Haus und Hof bedrohten.

Auch in der damaligen Bauerschaft Altrhede entstanden in alter Zeit zwei Schützenvereine, die St. Jakobi- und die St. Johannis-Schütterei, deren Rechnungsbücher bis ins 17. Jh. zurückgehen. Neuerdings lässt sich sogar ein weiterer Schützenverein, die Antonius-Schütterei, nachweisen, deren kürzlich aufgefundenes Rechnungsbuch mit dem Jahre 1782 beginnt. Eine genaue Untersuchung dieser auch Pfingst-Schützengesellschaft genannten Gilde und ihrer Stellung im Gesamtrahmen der Rheder Schützenvereine steht noch aus.

Von der St. Jakobus-Schütterei sind zwei in Schweinsleder gebundene Bücher vorhanden. Das ältere behandelt die Vereinsgeschichte von 1652 bis 1744, das zweite umfasst die Chronik bis zum Jahre 1862. Das im Laufe der Jahrhunderte stark beschädigte ältere Vereinsbuch zeigt auf dem schweinsledernen Titelblatt das kolorierte Bild des hl. Jakobus d. Älteren. Die ersten sieben Blätter dieses Schützenbuches, die die Vereinsgeschichte der Jahre 1652 bis 1662 enthielten, wurden am 29. Juli 1792 von dem damaligen Notar Henricus Wilhelmus Egging "von stück zu stück beisamen oder aneinander geleget" und "von Wort zu Wort abgeschrieben". Die Genauigkeit dieser Abschrift steht außer Zweifel. Irritiert durch die damals stark zerrissenen und zum Teil fast unleserlichen Blätter schrieb der genannte Egging fälschlicherweise auf das Anfangsblatt: "Schütten Brüder anfang ao 1552". Das erste Jahr im Rechnungsbuch ist aber zweifellos 1652, wie aus einem Vergleich des Inhaltes der Abschrift mit den folgenden Seiten des Buches hervorgeht.

Die Altrheder Jakobi-Schütterei ist aber älter als die erhaltenen Rechnungsbücher; das ergibt sich aus einer Notiz aus dem Jahre 1656, wonach "das Klodt Geld auf ein neues Blat gesat" wurde. Und im Jahre 1658 heißt es, dass die St. Jakobi-Schütten ein gewisses Kapital seit "alters her" besaßen. Dass gerade um 1650 neue Rechnungsbücher angelegt wurden, mag darin begründet sein, dass die alten Schützenbücher und -listen während des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) untergegangen waren. Während dieses unseligen Krieges, als unsere Gegend dauernd unter Kriegszügen zu leiden hatte, die Hessen 15 Jahre hindurch Stadt und Land besetzt hielten, war an die Abhaltung der altgewohnten Schützenfeste kaum zu denken. Erst nach dem Abzug der feindlichen Truppen, der in den Jahren 1650 bis 1652 erfolgte, konnte man wieder frei aufatmen. Jetzt lebten überall die neugegründeten Schützenvereine wieder auf. Und dass man die alte Lebensfreude wiedergefunden hatte, zeigt die wachsende Zahl von Schützenbrüdern. Enthält die Namensliste des Jahre 1652 noch 24 Mitglieder, so nennt ein vermutlich 1660 angefertigtes "Register derer, so in die alt Rheder Schuttreyes horen" bereits 58 Schützenbrüder. Nicht wenige der hier erwähnten Familiennamen sind auch heute noch in Rhede anzutreffen. Das Register enthält folgende Namen, die in der Schreibweise jener Zeit aufgeführt sind: Carll Henrich von Merfelt, Rudolf von Münster, Diederick von Merfelt, Jan Adolf von Butzau, Johan Volnes (?), Henrich Köper, Peter zum Brügge, Hermann zum Paße, Lucas Brands, Herman Schuling, Henrich Hüning in Rhede, Johan Fran-ken, Bernd up Geßing, Wessel Harbering, Willem Harberding, Hindrich Nyewerde Junior, Labert Gißing, Gerhard zum Nyenhuß, Johan zum Tünte, Jan Rottgering, Jan zum Klote, Hin-derick Melfößing genant Voß Senior, Johan Lensing, Gerd zum Klote, Clas Wolberding, Hen-rich Bengefort Junior, Gerhard Nyewerde, Gerhard Rotterding, Martin Franken, Henrich Wenning, Herman Franken Senior, Gerhard Gildehuß, Derck Medeman, Jan Homer, Henrich Homer, Henrich Beßeling, Bernd up Beßeling, Johan Benning, Sander Bauhauß, Bernd Hu-ning in alt Rhede, Henrich Holtwick, Johan Hüninck, Joannes Herkingh, Johan Zum Hüskes, Bernd Bößing, Lubert Volckshuß, Albertt Vinckes, Rotger Brandares, Henrich von Merfeltt, Dietherich von Merfeltt, Henrich Bouinck, Johan Voß, Berntt Schnatt od. Heßing, Herman von Merfeltt, Johan Henrich von Merfeltt, Henrich Bengefortt Junior, Johan Vockhauß und Dietherich Schuling.

Interessant ist die Verwaltung des Vereinsvermögens, das an die Mitglieder verteilt wurde. Die Schützenbrüder waren entweder Klotbrüder oder freie Brüder. Dazu Folgendes: Die meisten Schützenvereine besaßen kleine Kapitalien, z. B. die St. Jakobi-Schütterei 810 Taler, die Johannis-Schütterei 147 ½ Taler, die in sogenannte Klote zu je 5 Talern geteilt und nachfol-gend an die einzelnen Schützenbrüder verlost wurden. Diese wurden Klotbrüder genannt, die freien Brüder besaßen keinen Klot. Der Zweck der Klotverlosung war - da es noch keine Geldinstitute gab - die sichere Unterbringung des Vereinskapitals bei den Mitgliedern. Jeder Klotbruder hatte für den Empfang seines Klots eine Sicherheit zu leisten, was durch die Gestellung von Bürgen geschah. So erhielt z. B. der Klotbruder Herman Wenning im Jahre 1656 einen Klot zu 5 Talern, dessen Sicherheit Henrich Heßeling verbürgte. Zwei Klote zu 10 Talern erhielt Hend. Bösing, dessen Bürge Gerd Geßing wurde.

Für jeden Klot hatten die Klotbrüder Zinsen zu zahlen. Brachte ein Klotbruder seinen Klot ein, d. h. zahlte er die 5 oder gar 10 Taler zurück, so wurde dieses Kapital unter die freien Brüder verlost. Die Einnahmen der Schütterei bestanden zu jener Zeit aus Aufnahmegebühren, den sog. "Einkaufungsgeldern", und den Klotzinsen. Außerdem musste jeder neue Schützenbruder an den Schriftführer einige Stüber als Schreibgebühr zahlen. Da die meisten Schützenbrüder des Schreibens unkundig waren, oblag die Führung der Schützenbücher in der Regel einem "ausgebildeten" Manne. Erwähnt werden in diesem Zusammenhang u. a. der Vogt Billig, der Notar Boerbank, der Notar Egging.

Jedes Schützenfest wurde nach einem alten, genau festgelegten Brauch abgehalten. Gefeiert wurde an zwei Tagen; doch war damit keineswegs immer das "Königsschießen" verbunden. So wurde z. B. in den Jahren von 1652 bis 1700 in der St. Jakobi-Schütterei insgesamt 35-mal "gezehret", aber nur zehnmal fand ein Schützenfest mit Königsschießen statt.

Die Vorbereitung und Organisation des jeweiligen Schützenfestes lagen in den Händen von zwei Gildemeistern. Aus der langen Liste seien erwähnt für das Jahr 1658 Henrich Bengfort und Henrich Beßling, für das Jahr 1729 Johan Francken und Johan Haberding. Die jeweiligen Gildemeister beschafften das erforderliche Bier, kassierten die Gelder und verwahrten die Vogelstange. Am Hause eines der Gildemeister fand auch das jährliche Schützenfest statt, so z. B. 1736, als "ahn Joan Derck Frenckings behausung" gefeiert wurde.

Das Schützenfest wurde zu jener Zeit meistens am Tage des Schützenpatrons St. Jakobus (25. Juli) abgehalten. Es begann morgens mit einer Seelenmesse für die verstorbenen Mitglieder in der St.-Gudula-Pfarrkirche. Insgesamt wurde an zwei Tagen gefeiert. Am ersten Tag "umb zwey uhren nachmithag" traten die Schützen zum Schießen an. Jeder hatte unaufgefordert und "mit einem gueten Rhoer, satsam Kruedt und Lohdt" (d. h. mit einem guten Gewehr und genügend Pulver und Kugeln) zu erscheinen. Zuwiderhandelnde mussten eine Vierteltonne Bier oder den Gegenwert in Geld als Strafe zahlen. Wer verhindert war, hatte einen Vertreter zu entsenden, der allen Schützenbrüdern genehm war. Der König trug als Zeichen seiner Würde einen besonderen Königshut. Er selbst gab dafür eine Tonne Bier. Gemäß einem noch heute gepflegten Brauch fügte der König der Schützenkette ein weiteres silbernes Schildchen mit seinem Namen - später auch dem der Königin - bei. Die Schützenketten wurden in früher Zeit gewöhnlich von adeligen Gönnern gestiftet. So hat z. B. nach der Überlieferung der St. Johannis-Schützenverein Altrhede von dem Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen im Jahre 1652 ein wertvolles Stück münsterischer Schmiedearbeit in Form einer Armbrust mit An-hängsel als Geschenk erhalten. Auf ähnliche Weise; d. h. durch Dotationen von Adeligen, dürfte auch das um das Jahr 1700 sich auf rund 800 Taler belaufende Vereinsvermögen entstanden sein.

Am zweiten Tag des Schützenfestes fand "Gelaog", d. h. Rechnungsablage mit anschließender Feier, statt. Es wurden die neuen Gildemeister bestellt, die auch die Rechnungsbücher in Verwahrung nahmen. An beiden Tagen wurde bis spät in die Nacht hinein gezecht. Ein "Spielmann" spielte zum Tanze auf, und zwei "Schenker" sorgten für die Bedienung der Festgesellschaft. Am Schützenfest konnten auch Fremde teilnehmen; sie hatten aber dafür ein ziemlich hohes Eintrittsgeld zu bezahlen. Die Schützen selbst "zehrten" frei.

Die Ausgaben für den Königshut, die Getränke, den Spielmann und die Schenker wurden durch die Klotzinsen, das sog. Einkaufungsgeld und das Fremdengeld gedeckt.

In den ersten Jahrzehnten nach der Neugründung kamen die Schützen fast jedes Jahr zusammen. Lediglich für die Jahre 1699 bis einschließlich 1702 finden sich in den Schützenbüchern keine Vermerke über irgendwelche Zusammenkünfte. Von 1703 bis 1730 wurde mit großer Regelmäßigkeit "gezehrt", wobei man von 1712 an entweder nach dem Vogel oder auch nach der Scheibe schoss. Später erlahmte das Interesse. Lediglich 1736, 1738 und 1744 wurde nochmals gefeiert. Mit den Aufzeichnungen des Jahres 1744 schließt übrigens das älteste Rechnungsbuch ab.

Seit 1747 erhielt das Vereinsleben neue Impulse. Ausführliche Aufzeichnungen finden sich in den Büchern. Schützenfeste wurden wieder jährlich veranstaltet. 1748 - ein Jahr später als die Johannis-Schützen - begann man auch in der St. Jakobi-Schütterei an beiden Festtagen zu schießen. Am ersten Tage nahmen nur die Mitglieder daran teil; am zweiten Tage durften auch die Junggesellen aus dem Familien der Schützenbrüder um den Königshut schießen. Wie der König des ersten Tages, so musste auch der König des zweiten Tages eine Tonne Bier bezahlen.

In den Jahren 1756 bis 1763 fanden keine Schützenfeste statt; damals tobte der Siebenjährige Krieg, der auch unsere Gegend in Mitleidenschaft zog. Das Münsterland wurde wiederholt von französischen und preußischen Truppen schwer heimgesucht, besonders in den Jahren 1758 und 1759. Das Jahr 1763 brachte zwar endlich den heißersehnten Frieden, und das alte Schützenfest lebte auch wieder auf, aber es wurde immer seltener gefeiert. In jener Zeit tau-chen zum ersten Male militärische Dienstgrade als Bezeichnungen für bestimmte Funktionen innerhalb des Schützenvereins auf. In der St. Jakobi-Schütterei gab es einen Kapitän, Fähn-rich, Leutnant und Korporal. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wechselten mehrfach die Bezeichnungen; sie passten sich denjenigen an, die im preußischen Heere üblich waren.

Ab 1778 fanden die Schützenfeste nur noch in sehr unregelmäßiger Folge statt. Bis 1798 wurde lediglich fünfmal gefeiert. Um die damalige Jahrhundertwende vollzogen sich große Veränderungen in der politischen Landschaft Europas. Napoleon wurde unumschränkter Herrscher. Im Frieden von Luneville (1801) erhielt Frankreich das ganze linke Rheinufer. Das Fürstbistum Münster verschwand 1803 von der politischen Landkarte. Von Napoleons Gnaden entstand das Fürstentum Salm aus den ehemaligen Kreisen Ahaus und Borken sowie der Herrschaft Anholt. Die Bewohner Rhedes wurden Untertanen der Fürsten Salm-Salm und Salm-Kyrburg, aber nur für kurze Zeit. Denn bereits 1810 verfügte Napoleon die Annektierung u. a. auch des Fürstentums Salm. Die Rheder waren nun Bürger Frankreichs.

1811 ordnete Napoleon anlässlich der Geburt seines Sohnes die Veranstaltung großer Freudenfeste an. In der Chronik des Schützenvereins heißt es "Anno 1811 den 26 ten May ist durch Publicanda dahier in der Kirche bekannt gemacht, daß das Fest der Geburt des Jungen Prinzen Napoleon, als König von Rom auf pfingstfest gefeyert werden soll - und alle Schüttenbrüder eine Zehrung mit Vogelschießen könte vorgenommen werden - worauf die Schüttenbrüder sich versammelt haben ..." So wurde denn auch tüchtig gefeiert, aber nur an einem Tag auf den Vogel geschossen.

In den letzten Jahren vor der Jahrhundertwende 1799/1800 waren die Kosten für die Schützenfeste immer mehr angestiegen. 1786 waren 29 1/5 Taler aufzuwenden, davon allein 18 Taler für die 5 ½ Tonne Bier. 1798 waren es bereits 42 1/3 Taler, 1804 55 1/3 Taler und 1810 sogar 69 ¼ Taler. Man war allerdings in der Gestaltung des Schützenfestes auch großzügiger geworden. Während man früher mit einem Spielmann ausgekommen war, ließ man jetzt drei oder gar vier Musikanten, z. B. Tambour, Flöter, Violinspieler und Klarinettist, zum Tanz und zur Unterhaltung aufspielen. Die Frauen, die die Ausschmückung des Festraumes übernommen hatten, wurden mit Kaffee und Schnaps bewirtet. Die Kasse übernahm auch die Kosten des Vogelschießens, wofür die Schützenbrüder das sog. "Gelagsgeld" bezahlen mussten und nicht mehr freigehalten wurden. Die Offiziersstellen wurden an den Meistbietenden vergeben.

Wie bereits erwähnt, stand die St. Jakobi-Schütterei nach dem Dreißígjährigen Krieg in großer Blüte. 1661 zählte sie 58 Mitglieder, weitere 15 ließen sich neu aufnehmen. Nicht alle stammten aus Altrhede, wenn auch der Verein als "Altrhedische Schütterei" bezeichnet wird. Zahlreiche Bewohner von Rhede, Vardingholt und Krechting gehörten der St. Jakobi-Schütterei an. Auch der gesamte Adel der Nachbarschaft zählte zu den Mitgliedern, so Karl Heinrich von Merfeld zu Dorbröcking, der Obristleutnant Rudolf von Münster zu Krechting, Dietrich von Merfeld, Johann Adolf von Butzau, Herr zu Winkelhausen, Heinrich von Merfeld zu Tenking, Johann Dietrich von Merfeld sowie Johann Hermann von Merfeld zu Dellebrüggen.

Vier Jahre später, 1665, waren die Verhältnisse nicht mehr so günstig; die Zahl der Mitglieder sank auf 36. Die Ursache dafür dürften Streitigkeiten wegen der Gildemeisterwahl gewesen sein. Man kann annehmen, dass seitdem die Gildemeister durch das Los (= per sortem) bestimmt wurden. Zum gleichen Zeitpunkt wurde das Schützenfest, das bisher Ende Juni (auf Johannis) oder Anfang Juli gefeiert worden war, auf das Namensfest des hl. Jakobus (25. Juli) verlegt. Interessant ist auch, dass die bisherige Bezeichnung "Altrhedisch" verschwindet, an-scheinend wuchs die Zahl der nicht aus Altrhede stammenden Mitglieder immer mehr an. Besonders das Dorf Rhede stellte viele Schützen, und es ist deshalb verständlich, dass der Verein allmählich eine Rheder Schützengesellschaft wurde.

1668 wurden die Satzungen neu formuliert. Insbesondere drohte man denen harte Strafen an, die durch Streitereien und Tätlichkeiten den Ablauf des Schützensfestes zu stören versuchten. Vielleicht ist dieses außergewöhnliche Vorgehen dem Einflusse des Tilman Bertram Rembscheid (Pfarrer von St. Gudula in Rhede von 1658 bis 1684) zuzuschreiben, dessen Name an der Spitze des damaligen Mitgliederverzeichnisses steht. Die Teilnahme an der Seelenmesse für die verstorbenen Schützenbrüder wurde zur Pflicht gemacht, wobei jedes Mitglied einen Stüber zu opfern hatte. Da aber trotzdem der Besuch der hl. Messe zu wünschen übrig ließ, wurde beschlossen, das sog. Opfergeld der allgemeinen Schützenkasse zu entnehmen.

Über die unpünktliche Bezahlung des Klotgeldes (Zinsen) gab es häufig Klagen. Obwohl jeder Klotbruder zwei Bürgen zu stellen hatte, kam die Schütterei nicht immer zu ihrem Geld. Als Entschuldigung mag man gelten lassen, dass die Klotzinsen sehr hoch waren und deshalb von den Klotbrüdern bzw. deren Bürgen oftmals nicht aufgebracht werden konnten. 1704 trug man diesem Umstand Rechnung und ermäßigte den Zins auf zwei Drittel des bisherigen Satzes. Die Zahlungsmoral scheint sich aber trotzdem nicht nachhaltig gebessert zu haben. So heißt es z. B. in einem Nachsatz zur Jahresrechnung 1729, dass Johan Nyehauß bereits seit vier Jahren und Hen. Bengfort seit zwei Jahren kein Interesse (= Zinsen) mehr bezahlt hätten.

Mit Beginn des 18. Jahrhunderts erfolgte offensichtlich eine Reaktivierung des Vereinslebens. Wie bereits ausgeführt, kamen von 1703 bis 1730 die Schützenbrüder fast Jahr für Jahr zusammen. Der Verein erlebte eine neue Hochblüte; aber man wurde auch großzügiger in Geld-dingen. Die Klotzinsen reichten immer weniger aus, um die bei den "Zehrungen" entstandenen Ausgaben zu decken. Vor allem der Bierverbrauch war öfters wesentlich größer als die Kasse bezahlen konnte. Es blieb dann wohl nichts anderes übrig, als einen halben oder gar ganzen Klot zur Bestreitung der "Zeche" mit heranzuziehen. 1738 waren von den ursprünglich 810 Talern nur noch 16 ¾ Klote im Werte von 11 Talern und 5 Stübern vorhanden.

Die Mitgliederzahl lag im 18. Jahrhundert im Durchschnitt bei 40 bis 50 Schützenbrüdern. 1716 und 1717 tat Goswin Henrich von Coevorden, als Herr bzw. Erbherr des Hauses Rhede bezeichnet, den Königsschuss. 1729 holte Bernhard Nyenwerde den Vogel zum dritten Male hintereinander von der Stange, nachdem er bereits 1727 und 1728 Schützenkönig gewesen war. Die Schützenbrüder zeigten sich großzügig: "Weilen Er zum dritten Mahl Koninck gewesen, haben ihm die Schuttenbrüder Versprochen zeit seines Lebens frey in der Schutterey und den Klot welche Er gehabt geschonken", d. h. er durfte seinen Klot als Eigentum behalten und von nun an ganz frei in der Schützengilde leben. 1750 war der König des ersten Tages Joan Henrich Venhus, ein junger "Gesell" im Alter von 15 Jahren. 1753 erwarb sich Joan Bernard Voß an beiden Tagen die Königswürde.

In der Folgezeit ging man wieder energisch gegen die eingerissenen Missstände vor. Die Gildemeister wurden aufgefordert, gerichtlich gegen säumige Zahler vorzugehen. Ferner wurde bestimmt, keinen Klot mehr zur Bezahlung der Zeche zu verwenden. Die Schützenbrüder wa-ren vielmehr gehalten, einen eventuellen Fehlbetrag aus ihrer eigenen Tasche zu ersetzen. 1747 wurden sogar drei neue Klote gemacht. Später rissen aber von neuem wieder Missbräuche ein. Die Gelage zogen sich bis tief in die Nacht hinein; auf den Straßen wurde nicht selten grober Unfug verübt. 1777 wurde deshalb festgesetzt, dass "allen und jeden, gesten und brüder der schütrey s. Jacobi sollen nicht lenger als 12 uhr des Nachts Zehren". Ausdrücklich wurde bestimmt, dass unbefugte Schießen im Dorf Rhede mit 12 Stübern Strafe geahndet werden sollte.

In der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts setzte ein langsamer Verfall der St. Jakobi-Schütterei ein; von 1804 bis 1862 fanden nur noch 12 Schützenfeste statt. Aus dem Rechnungsbuch ist zwar zu ersehen, dass jedesmal tüchtig gefeiert wurde, das Leben im Verein begann aber immer mehr zu ersterben. "Überhaupt schien im Jahre 1862 die Gesellschaft im Wirrwarr zu sein", so schließt wenig schmeichelhaft der Chronist B. Harberding das zweitälteste Rechnungsbuch der St. Jakobi-Schütterei ab. Art und Ursache dieses "Wirrwarrs" werden jedoch schweigend übergangen.